Re: Dipl. Internet Chatter? moment mal - Wenig Interesse an kostenloser Internet-…
internet den 80ern sind die Studenten *eine* der sozialen Gruppen,
> denen es
> nicht gelingen will, sich mit anderen benachteiligten Gruppen in
> Beziehung zu setzen. Wie auch? Die meisten Erstsemester imaginieren
> sich bereits vor dem ersten Referat als zukünftige
> “Besserverdiener”
> und das prägt ihr Verhalten.
Nun, da habe ich offensichtlich woanders studiert. Ich und soweit ich
zu sagen vermag, die meisten meiner Bekannten, die studiert haben,
haben sich nicht als zukünftige Elite der Besserverdiener gesehen.
>
> Wenn es die Massen sozial denkender Studenten - insbesondere der
> naturwissenschaftlichen Fachrichtungen - gibt, wo bleiben dann ihre
> Aktionen und wo verschaffen sie sich Gehör?
Man kann nicht alle zwanzig oder dreissig Jahre in Deutschland eine
neue Studentenrevolution erwarten. Studenten sind Menschen und spiegeln
als soziale Gruppe natürlich auch teilweise den berühmten Zeitgeist
wieder. Die 68iger Jahre waren AFAIK eine Zeit, in der gerade auch
(utopische) Gesellschaftmodelle diskutiert bzw. propagiert wurden, die
ein gerechteres und besseres menschliches Zusammenleben ermöglichen
sollten, heute aber angesichts der desillusionierenden Erfahrungen, die
mit ihrer realen Umsetzung gemacht wurden, als diskreditiert gelten.
Das in heutigen Augen “ideale” Gesellschaftsmodell scheint ein
kapitalistisches zu sein, (zumindest erwies sich dieses als
wirtschaftlich erfolgreicher, aber auch als menschlicher als
kommunistische oder sozialistische,) dies mag sich auch im Verhalten
der heutigen Studenten, aber auch der übrigen Gesselschaft etwas
wiederspiegeln. Der optimistische, weltverbessernde Geist der 68iger
ist momentan nicht vorhanden. Zudem: müssen es tatsächlich immer
Studenten als soziale Gruppe sein, die den Umbruch einer Gesellschaft
tragen? Damit wären sie tatsächlich eine Elite, wenn auch in diesem
Falle eine geistige und keine materielle….Wo bleiben die Massen
sozial denkender Handwerker?
>
> Während der Studentenstreiks der 90er waren sie nicht aus den
> Übungen
> zu locken. (”Dann krieg ich den Sitzschein nicht, wenn ich da
> hingehe…”)
Waren nicht diese Studentenstreiks gerade studenticher “Lobbyismus”? Da
gings doch um Bafög-Erhöhung, bessere Ausstattung der Unis etc.
>
> Und haben seit Ende der 80er nicht *alle* Regierungen dieses Landes
> daran gearbeitet, die Sozialetats zu drücken, wo es nur geht?
AKAIK ist der Sozialetat immer noch der zweit (oder dritt?)höchste in
Staatshaushalt der Bundesrepublik.
Mathias